Die Yamas sind ethische Leitlinien, die uns helfen, in Harmonie mit uns selbst, unseren Mitmenschen und der Welt, der Natur zu leben. Der Ursprung liegt im Hinduismus, findet sich jedoch auch im Buddhismus als Ausdruck von Mitgefühl, Achtsamkeit und innerer Klarheit wieder. In der Yogalehrer-Ausbildung sind diese fünf ethischen Leitlinien übrigens auch Bestandteil, es ist also ebenfalls Teil des Yogi-Lebens.
In der Philosophie bezeichnet Ethik die Lehre des guten und richtigen Handelns (Moralphilosophie).
Es ist also unter anderem das Verantwortungsbewusstsein über sein eigenes Handeln und der daraus folgenden Konsequenzen für sich und Andere.
Die fünf Yamas helfen unser Verhalten zu reflektieren und dieses demnach bewusster zu gestalten, um dem ethischen Bewusstsein nachzukommen.
Ahimsa (Gewaltlosigkeit)
Der Erste der fünf Yamas ist Ahimsa.
Den Aufruf zur Gewaltlosigkeit finden wir in allen Religionen, Ahimsa bedeutet weder durch Worte, Taten noch Gedanken sich selbst oder Andere zu verletzen.
Es gilt als Richtlinie:
Handele so, dass du möglichst wenig Leid verursachst.
Im Garten mal auf eine Ameise zu treten, lässt sich leider nicht vermeiden, bedeutet aber nicht, dass du nun kein ethisches Leben mehr führst. Gewalt an anderen Menschen oder Lebewesen auszuüben, ist hingegen nicht akzeptabel, also Himsa (Gewalt).
Ahimsa bedeutet auch sanftmütig über sich selbst und Andere zu denken. Kein Schubladendenken zu haben. Sich empathisch zu zeigen und Konflikte zu vermeiden.
Auch im Bezug auf die Natur gilt beim Ahimsa möglichst wenig Schaden anzurichten.
Mehr dazu findest du in meinem Blogartikel „Ahimsa – Das Konzept des Nicht-Verletzen„.
Satya (Wahrhaftigkeit)
Satya ruft dazu auf ehrlich zu sein. Das betrifft nicht nur das, was wir von uns geben, sondern auch die Ehrlichkeit uns selbst gegenüber und wie wir leben. Authentizität und die Übereinstimmung deiner Lebensweise mit deiner inneren Wahrheit spielen dabei eine große Rolle.
Indizien, dass man seine innere Wahrheit nicht auslebt, spiegelt sich oft in seinem eigenen Energielevel wieder.
Wenn du tagein, tagaus ein Leben führst, was du eigentlich so gar nicht führen willst, kannst du dann überhaupt authentisch sein?
Im Bezug auf Andere kann es vorkommen, dass Satya im Konflikt mit Ahimsa steht. Dann gilt es einen Weg zu finden nicht zu verletzen und dennoch nicht zu lügen, indem die Worte weise gewählt werden oder aber eine unangenehme Wahrheit nicht unbedingt ausgesprochen wird, sprich seine Zunge auch mal zu hüten.
Das Leben fordert uns manchmal auf die Ethik abzuwägen.
Asteya (Nicht-stehlen)
Zu den Yamas gehört auch Asteya: Nicht stehlen, sowohl materiell als auch immateriell.
Damit ist also auch geistiges Eigentum gemeint. Natürlich ertappt sich jeder mal bei dem Gedanken, dass es einfach alles viel zu teuer ist. Dennoch sollten Stehlen nie die Lösung sein – egal, ob es sich um ein Auto, einen Kugelschreiber oder um illegale TV-Plattformen zum Umgehen eines Abonnements dreht.
Mit Immateriell ist ebenfalls das Zeit- oder Energie-stehlen von anderen Menschen gemeint. Verschwende die Kräfte von Anderen nicht, insbesondere wenn vermeintlich egoistische Gründe dahinterstecken.
Brahmacharya
(Bewusstsein)
Brahmacharya wird oft mit „Enthaltsamkeit“ übersetzt.
Im tieferen Sinne beschreibt es jedoch generell einen achtsamen Umgang mit der Lebensenergie.
Brahmacharya in der wörtlichen Übersetzung heißt: „Verhalten, das zu Brahman führt“.
Brahman ist im Hinduismus das Absolute, die ultimative Realität, das allumfassende Bewusstsein.
Brahmacharya ist also die spirituelle Entwicklung. Dazu gehört, dass man dafür den nötigen Raum schafft, indem man sich äußeren Reizen nicht einfach hingibt. Somit findet man oft die sexuelle Enthaltsamkeit als Bestandteil der Übersetzung. Aber insbesondere das Fehlverhalten zum anderen Geschlecht wird nicht geduldet.
Also spielt auch hier wieder Ahimsa eine große Rolle. Betrügen, belügen und Gewalt verbaler oder körperlicher Natur entspricht nicht Brahmacharya.
Um sich spirituell entwickeln zu können, muss man sein Verhalten anpassen und seine Lebensenergie manchmal von weltlichen Energieraubern distanzieren, um den Fokus wieder nach innen lenken zu können.
Aparigraha – Nicht-Anhaften
Im Buddhismus wird Gier als Geistesgift verstanden, welches Leiden verursacht und zu unheilsamen Handeln führt.
Aparigraha führt weg von dem Besitz an den wir uns klammern, weg von Vorstellungen und Erwartungen, hin zum Loslassen und zum Vertrauen.
Insbesondere der egoistische Nutzen, also Bestechlichkeit oder aber auch nur zu Geben, weil man etwas zurückerwartet, entspricht nicht Aparigraha.
Befreie dich von dem beklemmenden Gefühl und teile mit deinem Herzen und aus der Güte heraus mit Anderen.
Teilen verbindet. Mach dich nicht abhängig von materiellen Dingen. Du wirst merken, wie viel befreiter man sich fühlt.
Ein freundliches Wort, ein Moment der Achtsamkeit, ein Akt der Großzügigkeit – all das hinterlässt Spuren, in uns selbst und in der Welt.