Manchmal hat es den Anschein, dass sich Probleme gerne stapeln.
Genau dann, wenn wir es am wenigsten gebrauchen können.
In dieser Phase, in der man sich fragt, ob das Universum einen grade persönlich auf den Kieker hat.
Die Beziehung geht in die Brüche, ein Angehöriger wird krank, Ärger im Job, eine große Rechnung flattert rein und zu guter Letzt tritt man noch in einen Hundehaufen: und das ist der letzte Tropfen, der alle Dämme zum einbrechen bringt.
Im Volksmund würde man nun sagen „Tja, der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.“.
Aber stimmt das wirklich? Oder sehen wir Muster, die gar nicht existieren?
Dazu möchte ich mir zwei unterschiedliche Perspektiven genauer ansehen.
Die psychologische Perspektive
Unser Gehirn liebt Muster.
Es ist im Grunde genommen gar nicht dafür entwickelt, die Realität präzise abzubilden.
Unser Gehirn möchte viel eher Zusammenhänge erkennen.
Evolutionär äußerst sinnvoll, schließlich lebte man länger, wenn man hinter dem Rascheln einen Säbelzahntiger vermutete. Wer da erstmal die Wahrscheinlichkeit berechnet hat, ob es ein Säbelzahntiger oder ein Igel sein könnte, hatte durchaus die schlechteren Karten.
Diese Fähigkeit hat jedoch auch Nebenwirkungen und das insbesondere unter Druck:
Unser Gehirn kann seine Aufmerksamkeit ganz automatisch stärker auf weitere Bedrohungen / Probleme richten.
Beim langfristigen Fokus auf Negatives spricht man von Negativität Bias, also der Negativitätsdominanz.
In einer Studie von LaFreniere und Newman aus dem Jahr 2020 wurde festgestellt, dass 91,4 % der täglichen Sorgen völlig unnötig sind, da die befürchteten Probleme niemals eintreten.
Wenn die Probleme also im Rudel kommen, sind wir natürlich gestresst.
Und Stress macht zusätzlich sehr verletzlich.
Emotionale Erschöpfung, schlechter Schlaf, gereizte Kommunikation.
Sachlich gesehen steigt damit die Wahrscheinlichkeit für weitere Probleme, denn durch unseren Gemütszustand entsteht eine Problemkette.
Nicht durch Pech, sondern durch die Erschöpfung.
Zufall statt ordentlicher Verteilung
Ein Problem im Januar, eins im Mai und das nächste im August.
So funktioniert Zufall leider nicht, denn auch Zufallsprozesse bilden oft Cluster.
Wenn du hundertmal eine Münze wirfst, können auch hier überraschend lange Serien von Kopf oder Zahl passieren. Trotzdem ist das purer Zufall.
Das Gleiche gilt für die negativen Ereignisse. Es wirkt ungewöhnlich, dass sie so kurz hintereinander auftreten.
Statistisch gesehen, ist das jedoch vollkommen normal.
Die Realität ist also durchaus chaotischer, als wir sie gerne hätten.
Und das kann sich ungerechnet anfühlen.
Buddhistische Perspektive
Der Buddhismus betrachtet das Szenario aus einer ganz anderen Perspektive.
Statt „Warum passieren mir so viele schlimme Dinge?“ schaut der Buddhismus auf die Frage „Wieso leide ich so unter dem, was mir passiert?“
Der Buddhismus akzeptiert, dass unter anderem Verlust, Krankheit, Alter und Tod zum Leben dazu gehören und beschreibt den Widerstand gegen das Leid als den Grund für das Leiden und nicht die Ursache.
Wir wollen, dass diese Herausforderungen wieder verschwinden, dass diese schwierige Zeit endet.
Wir kämpfen also gegen das Leid an und erzeugen damit eine weitere Ebene des Schmerzes.
Und deshalb möchte ich noch einmal kurz auf den mentalen Aspekt eingehen.
Die mentale Haltung
Die perspektive der Selbstwirksamkeit sagt im Grunde genommen, dass wir mehr Realität erschaffen, als wir glauben. Die innere Haltung kann dein Leben verändern.
Sie verändert nicht die Welt, aber sie verändert die Art wie du mit der Welt interagierst; und mit dir selbst.
Und dadurch kann sich auch das Ergebnis verändern, denn wir verstärken das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.
Wir haben Denkmuster, die sich automatisch abspielen, denen wir aber keinerlei Beachtung schenken.
Diese müssen aber nicht positiv sein, im Gegenteil. Sie können scharf urteilend und limitierend sein.
Achte insbesondere in schwierigen Zeiten darauf, was dein Gehirn dir wie auf Autopilot einflüstert.
Außerdem führt der ständige Kontrollzwang über Dinge, die wir nicht kontrollieren können und das stetige aufrecht erhalten von Leid (oder Mitleid?) zur Maximierung von Problemen.
Was du nicht annimmst, beherrscht dich. Was du annimmst, verwandelt dich. ~ Carl Gustav Jung
Vielleicht ist die Problemfrage eine ganz andere
Vielleicht scheißt der Teufel gar nicht auf den größeren Haufen.
Vielleicht sehen wir den Haufen einfach deutlicher, weil bereits etwas darauf liegt.
Vielleicht erzeugen der ganze Stress und die Erschöpfung die Folgeprobleme.
Und vielleicht bilden Zufälle ganze Cluster.
Vielleicht leiden wir mehr unter dem Widerstand als unter den negativen Ereignissen selbst.
Vielleicht steckt in all diesen Erklärungen ein Funken Wahrheit?
Die eigentliche Herausforderung ist nicht das nächste Unglück zu verhindern, denn das können wir nicht.
Die Herausforderung ist inmitten von Chaos irgendwo handlungsfähig zu bleiben.
Wir können nicht alles kontrollieren, aber wir können entscheiden, wie wir darauf reagieren.
Genauso wenig wie Krisen alleine kommen, kommen auch Hoffnung, Unterstützung und neue Chancen oft nicht allein. Auch das übersehen wir oft.